Der schönste Sinn an diesem Internet ist, dass wir uns mit Menschen auch über Entfernungen hinweg verbinden können. Dass ich dich (ja, genau dich!) mit meinen Gedanken und Worten erreiche. Genau in diesem Moment, wenn du das hier liest. Fühl dich ruhig beobachtet, das ist gewollt.
Zwar sind die Entfernungen in unserer Altmark nicht ganz so groß, aber zwischen mir an meinem Schreibtisch im Wohnzimmer und dir – auf deiner Couch, an deinem Arbeitsplatz oder im Wartezimmer – besteht nun mal diese metrische Distanz. Eins aber haben wir gemeinsam, vom Menschsein mal abgesehen: unsere Altmarkliebe. Wir leben und wohnen gerne hier, sonst würdest du diesen Text nicht lesen :)

Die Altmark und ich

Ich bin in Havelberg aufgewachsen, verwurzelt in grüner Natur, geborgen in Backsteingebäuden und geprägt durchs Ewig-Draußensein. Ich erinnere mich an den Geruch von Frühlingswäldern, Schwimmenlernen im Freibad, Hochsommern in Quitzöbel. An mückenübersähte Flüsse, Billardabende im Glühwurm, Schlittschuhlaufen auf den Elbwiesen. 

Meine Kindheit war geprägt von Schulwegen durch den Eichenwald, krummen Domtreppen, bröckelnden Häuserwänden, Rodeln auf dem Nussberg und Fahrradtouren durch die Wälder Richtung Müggenbusch. Die ganze Stadt war unser Zuhause. Und wenn ich heute durch die Straßen spaziere, wirkt alles etwas kleiner als früher. Aber das Gefühl von Geborgenheit begleitet mich bei jedem Schritt. 
Meine Ausbildung habe ich Stendal gemacht, mitten in der Einkaufsstraße. Ich lernte das Kleinstadtleben lieben, das bunte Treiben zwischen all den bunten Altstadthäusern, in der Nähe einer geschichtsträchtigen Kirche mit Glockenklang. Mit Mittagspausen, die man zum Shoppen nutzen konnte, und haufenweise Essensangeboten. Mit Oldtimerkollonnen durch die Fußgängerzone (gibt's die noch?) und den lieben Menschen auf dem Kran, die die Weihnachtsdeko angebracht haben – das konnten wir immer von oben beobachten.

Und heute arbeite ich in Tangermünde, hier ticken die Uhren etwas leiser als in Stendal. Gemütlicher, nicht ganz so hip und krass modern, aber sehr liebevoll. Hier finde ich während der Mittagspause Ruhe in den verwinkelten Gassen der Stadt, kann Kastanien im Kirchengarten sammeln, barfuß am Hafen entlangschlendern und meinen Blick über die Hafenmauer schweifen lassen. Am Lieblingsbratwurststand werden auf Wunsch sogar Pflanzenwürste gegrillt, das Eis zum Nachtisch gibt’s auf dem Rückweg zum Büro und was ich früher bei Amazon bestellt habe, übergebe ich heute den liebevollen Händen in der Buchhandlung nebenan (die ist wirklich genau nebenan).

Altmarkliebe

Was ich an unserer Heimat liebe, sind die stillen Kleinigkeiten, die dem Strom unserer schnelllebigen und teils oberflächlichen Gesellschaft entgegenwirken. Die uns täglich daran erinnern, dass es mehr gibt, als das neuste iPhone, das schnellste Auto und den nächsten Urlaub.
Hier leben Menschen, die das Handwerk am Leben erhalten. Vom begeisterten Kaffeeröster, über inspirierende Wohnraumdesigner und den stets lächelnden Kindergartenerzieher bis hin zu tierlieben Milchlieferanten (wie früher in Flaschen! Bämm!) Sie sind da. Genau nebenan, und bewahren uns davor, in Amazon-Paketfluten unterzugehen, unsere Empathie im Internet zu verlieren und unsere Selbstständigkeit gegen blinden Konsumwahn einzutauschen – wenn wir ihnen die Chance dazu geben. Wenn wir uns darauf besinnen, was unser Leben lebenswert macht. Wenn wir den Blick öffnen, aus dem Tunnel heraustreten und unsere Aufmerksamkeit schweifen lassen. Wenn wir wahrnehmen, was uns umgibt.

Deine Altmark

Und was hat das alles mit dir zu tun? 
Nachdem ich die Anfrage erhielt, eine Kolumne für altmark.jetzt zu schreiben, und ich in meinem jugendlichen Leichtsinn "Ja, ich will!" rief, habe ich lange überlegt, worüber ich schreibe möchte. An Dingen, die mir täglich begegnen und die mich bewegen mangelt es weniger. Aber welche Themen sind typisch altmärkisch? Denn genau davon handelt diese Kolumne. Um unsere – deine und meine – Heimat: die Altmark.
Und da ich die Kolumne für dich schreibe, interessiert mich neben all den altmärkischen Gegebenheiten und Besonderheiten vor allem, was dich in unserer Heimat bewegt. Wie du so durch den Tag kommst ... Gibt es Momente, in denen du innehältst und lächelst? Oder erschöpft ausatmest? Was magst du hier? Was magst du nicht.

Wie geht es dir in deiner Altmark?

Lass ma' quatschen! 

Deine Maria


Über den Autor

Schriftstellerin, Stendal

Hi, ich bin Maria. Lass uns beim Du bleiben. Ich wurde 1984 in Havelberg geboren, bin in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen und war schon als Kind kunstvernarrt. Heute wohne ich in Stendal, arbeite in Tangermünde und bin mit dem Kopf so oft es geht in den Wolken. #farbenfrohundnonkonform

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Kommentare

14.03.2019 | jana

Hi Maria, ja!!! Lass mal quatschen :)

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