Eieiei.... Janz dünnet Eis jetzt.... Vielleicht.... ;) Ich wage mich mal ein paar Zentimeter auf die zart gefrorene Wasserdecke vor und hoffe keine Wogen zu schlagen. Ach, oder doch! Warum denn nicht! Denn nichts, ABSOLUT NICHTS, ist wohl so heikel (weil in meiner Erfahrung immer eine Gratwanderung) wie ein Gespräch darüber, was „gute“ Musik ausmacht. Über nichts lässt sich so herrlich ausdauernd und intensiv diskutieren wie über Musikgeschmack. Es sei denn, du triffst jemanden, der auf die Frage: „Was hörst du so?“ antwortet: „Ach, alles so, was halt im Radio läuft!“. Da bricht nüscht. Das berühmte Eis zu meinem Gegenüber jedenfalls nicht. Da friert eher alles ein und du kannst getrost die Schlittschuhe rausholen.

Ich verstehe den Faible für jegliche Musik, möchte ihn verstehen, selbst wenn mir ein Enddreißiger mit leuchtenden Augen erzählt, warum er sich vom Schlagermove angezogen fühlt. Hauptsache da regt sich was. Sieht man im Gespräch über Musik quasi den Puls des anderen rhythmisch schlagen und setzt automatisch mit ein – ob man sich in der Richtung auskennt / Zuhause ist oder nicht.

„Die Altmark meine Heimat“ - The Sound of Silence

Elektrisiert war ich letztens bei Facebook in der Gruppe „Leben in der Altmark“ (https://de-de.facebook.com/groups/Altmarkleben/), allein vom Lesen. Jörn Birkenstock, ein Mann aus Kassel und bekennender #Altmarkbotschafter, hat dort den Cover-Song „Sound of Silence“ (https://youtu.be/usN-pKfw6Q8) der amerikanischen Metal-Band, manche sagen inzwischen eher Alternative-Band, „Disturbed“ gepostet. Mit dem Hinweis, so hört sich die Altmark für ihn an. Bämm, ein 180er, Jörn! Nein, ein 9-Darter oder Hole-in-One, Homerun – sucht euch eine Sportart für den Vergleich aus. Ihr wisst schon was ich meine. Ohne den Text bis dato im Detail gekannt zu haben bzw. versucht zu haben, ihn zu interpretieren, war ich sofort im „Team Jawoll“.

Der Altmärker: Raue Schale, weicher Kern

Raue Stimme und dabei so sensibel = der Altmärker. Nachdenklich machende Tonalität, leicht melancholisch und gleichzeitig so viel Kraft nach vorne = die Altmark. Ob das Original von Simon & Garfunkel von 1964 das bessere ist, darüber lässt sich sicher trefflich diskutieren. Bin ich dabei. Und ob das amerikanische Folk-Duo damals schon die Vereinsamung des Menschen als Folge der Urbanisierung und damit die Sehnsucht nach der Nähe der Menschen auf dem Land besungen hat, bekommt man wohl auch nicht grundlegend geklärt. Ich verstehe es so. Vielleicht weil ich das Lied einfach auch so verstehen will. Als eine, die viele Jahre den Großstädten Düsseldorf und Köln den Vorzug gegeben hat. Als eine, die nach 17 Jahren wieder in die Altmark gezogen ist. Vielleicht weil es hier einfach übersichtlicher ist, kleiner, wärmer. Heimat für mich on top, das zieht doppelt. Man kennt sich. Hier hat der Spruch „Man sieht sich immer zweimal im Leben“ tatsächlich Bestand. Er ist Segen und manchmal auch Fluch, zugegeben ;)

Die Altmark als Soundtrack meines Lebens

Seitdem jedenfalls hat der Soundtrack meines Lebens ein Lied mehr auf der Playlist. Naja nee, er hat gleich ein ganz neues Album angelegt. Und das heißt „Die Altmark in einem Lied“. Mit der Musik ist es bei mir wie mit den Tätowierungen. Ich verbinde etwas Großes, Wichtiges damit. Bei Songs, die ich einfach nicht vergessen kann, ist es ein besonderes Konzert, ein beispielloses Festival, eine inspirierende Begegnung, ein irgendwie besonders geartetes Ereignis. Manche Lieder brennen sich ein, permanent – wie ein Tattoo eben. Und du willst sie ja auch gar nicht mehr loswerden. Sowas wie

„So close, no matter how far. Couldn't be much more from the heart.
Forever trusting who we are. And nothing else matters“.

Lebensqualität: Ganz viel Natur zwischen ganz wenig Menschen

Auf meiner Playlist „Die Altmark in einem Lied“ ganz weit oben steht der Song „Nothing else matters“ der Metal-Urgesteine „Metallica“ (https://youtu.be/tAGnKpE4NCI). Die Sehnsucht nach Freundschaft, nach Vertrautem, nach Zusammenhalt und dann dieses „Immer darauf vertrauen, wer wir sind“. Altmärker! Ganz genau! Dafür muss man sich nicht klein machen. Attribute wie „die am dünnsten besiedelte Region Deutschlands“ heißt nicht abgehangen, heißt nicht rückschrittlich, heißt nicht arm oder gar dumm. Es heißt nur, dass hier ganz viel Natur zwischen ganz wenig Menschen ist – wenn das nicht für Lebensqualität steht, dann weiß ich auch nicht ;)

Und da fällt mir ein Lied ein, das völlig von meiner persönlichen Vorliebe für das Rockige, Punkige, den Hardcore abweicht. Viel eher ist es eine Begebenheit vor einem Jahr. Und die geht so:
 

Liedermacher aus der Altmark

„Nun ein Lied über etwas sehr Schwaches – aber nur so von der Struktur her...“, sie meinen die Altmark und treffen mein Humorzentrum – Thomas Stein und Edgar Kraul (http://www.thomas-stein.homepage.t-online.de/Home). Danach stimmten die beiden Liedermacher aus der Altmark bei einem Konzert im Kavaliershaus Krumke (http://www.kavaliershauskrumke.de) in ihre musikalische Altmark-Liebeshommage ein. Besingen die Schönheit der Natur in der Altmark und die Spezialität der altmärkischen Kultur – gewürzt mit Charme, Witz und einer Prise Nachdenklichkeit. Ihre Antwort auf die Frage: Wie hört sich Altmark für dich an? liest sich so:

„Wo der Wind über die Ähren streicht und Korn- und Mohnblumen wiegt.
Wo die Wische, unser weites Land, zwischen Aland und Elbe liegt.
Wo alte Weiden an Wegrändern stehen und Auwälder säumen den Fluss.
Wo Störche nisten auf Backsteintürmen und klappern, wie mir zum Gruß.
Wo man grüne Bohnen mit Eierkuchen isst, die besten Baumkuchen backt.
Wo von den Alten in den Dörfern mancher noch Plattdütsch snackt.
HIER BIN ICH ZU HAUS“

Daran denke ich ab und an mal. Und warum ausgerechnet jetzt? Naja, die Störche kommen gerade aus dem Süden zurück in die Altmark, das Dorftheater Gladigau (http://www.mein-gladigau.de/vereine/theaterverein/) ist seit kurzem mit seinem neuesten Stück „Dat Stadtfollein“ in altmärkischem Platt auf der Bühne. Aber Achtung, falls es euch jetzt juckt und ihr Karten haben wollt – vergesst es. Keine Chance. Nur auf dem Schwarzmarkt vielleicht ;) Innerhalb von drei Stunden waren die Karten für die 17 Vorstellungen im März 2019 ausverkauft. „Da stellen sich die Leute an DEM EINEN Kartenvorverkaufstag schon nachts an! Mensch Jana, wo lebst du denn?“, habe ich die entgleisten Gesichtszüge meiner Kollegin noch deutlich vor Augen, als ich rausposaune, mir auch mal 'ne Karte zu besorgen. Naivität war schon immer eine meiner besonderen Stärken ;)

Musik aus der Altmark – da geht so viel mehr...

Was ich nicht bin – unbelehrbar. Ich habe viel in Sachen Musik aus der Altmark nachzuholen, das weiß ich und frage, egal wo ich unterwegs bin, jetzt immer: Welche Liedermacher, Musiker, Bands aus der Altmark MUSS man kennen, gesehen und gehört haben? Es fällt immer, wirklich immer, egal welches Alter oder Geschlecht der von mir Interviewte hat: Nowbody Knows, Max Heckel (https://nobodyknows.de/). Keine Frage – große Klasse! Und da geht so viel mehr.... Ich bleibe dran, werde das Album „Die Altmark in einem Lied“ auf dem Soundtrack meines Lebens anreichern und euch davon erzählen. Denn „ein Leben ohne Musik wäre ein Irrtum“, da schließe ich mich dem Philosophen Friedrich Nietzsche an.

Oder besser noch einem Berliner Exil-Altmärker, der in der Formation „OBG City Boys“ zusammen mit der Osterburger Band „Electric Muff“ (http://www.electric-muff.de/) im Song „Spargel und Kartoffel“ auch eine sehr gute Antwort auf die Frage:

Wie hört sich Altmark für dich an? hat:

Auenland, Auenland – Du bist so wunderschön
Auenland, Auenland – mein Herz blutet bis wir uns wiederseh'n
Aloha Altmark – Du bist so wunderbar
meine Heimat – Hip Hip Hurra!

Bildnachweis: Sabrina Beyer


Über den Autor

Bloggerin, Osterburg

Schreibgezeiten prägen mich. Vielleicht nicht gleich seit meiner Geburt 1977, aber zumindest seit der Schulzeit. Wandzeitungsredakteurin, Pressepussy, Online-Trulla, Zeitungstante, Blog-Poetin ;) Das Schreiben / Texten war schon immer meine Leidenschaft und wird es auch bleiben. Nach 17 Jahren in Köln und Düsseldorf jetzt wieder hier #inthemiddleofnüscht. Eine augenzwinkernde Liebeserklärung an die Altmark. Und eine Antwort auf die Frage: Wo kommst du eigentlich genau her, Jana? Web: in-the-middle-of-nuescht.de

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Kommentare

29.03.2019 | Maria

Schön jeschrieben!! :D

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